Was tun mit den Weisheitszähnen?

Raus damit, aber dalli! Oder lieber doch nicht? Über Sinn, Nutzen und Risiko der Weisheitszahnentfernung wird seit Langem debattiert – bis heute.

Jede Operation geht mit Risiken einher, in der Zahnmedizin ebenso wie in anderen Disziplinen. Daher sollte es für jeden Griff zum Skalpell oder Laser handfeste Gründe geben. Ist das Vorhandensein von Weisheitszähnen so ein handfester Grund? Viele Zahnärzte bejahen diese Frage und entfernen die „Achter“ vorsorglich, um das Risiko späterer Komplikationen von vornherein auszuschließen. Andere plädieren dafür, möglichst lange abzuwarten, um nicht unnötigerweise Operationsrisiken einzugehen. Bei der Weisheitszahnentfernung bestehen diese vor allem darin, dass Nerven im Unterkiefer Schaden nehmen könnten. Zwar wird seit Jahrzehnten zu dieser wichtigen dentalmedizinischen Frage geforscht, doch eindeutige Ergebnisse kamen dabei bislang nicht heraus.

„Es gibt bei der Diskussion über die Weisheitszahnentfernung einfach keine allgemeingültigen Antworten“, erläutert der Zahnarzt Dr. Maik Levold, der in Berlin-Grunewald eine Praxis führt. „Die individuelle Prognose ist jeweils ausschlaggebend. Liegen keine Hinweise auf eine drohende Schädigung durch die Weisheitszähne vor, dann können die Patienten auch gut mit diesen leben.“ Dr. Levold rät jedoch, den Stand der Dinge regelmäßig kontrollieren zu lassen, um frühzeitig auf potenzielle Komplikationen aufmerksam zu werden. Zudem sei es wichtig, den schwer erreichbaren, nicht immer komplett durchbrechenden Zähnen bei der Mundhygiene besondere Sorgfalt zukommen zu lassen. Bei suboptimaler Reinigung drohen nämlich die üblichen Zahnvolkskrankheiten: Karies und Parodontitis. Auch das Infektionsrisiko steigt dann.

Effektives Zähneputzen allein kann allerdings die von Weisheitszähnen ausgehenden Gefahren nicht eindämmen. Wachsen jene nämlich in Richtung ihrer Nachbarn, können deren Wurzeln angegriffen werden. Auch Fehlstellungen oder Zystenbildung können eine Folge sein. Schon die Weisheitszähne bieten damit Grund genug, die regelmäßigen Kontrolltermine beim Zahnarzt konsequent wahrzunehmen.

Seit rund einem Jahrzehnt sind die britischen Zahnärzte übrigens angehalten, auf prophylaktische Weisheitszahnentfernungen zu verzichten. Genützt hat es nichts: Die Zahl der entsprechenden Eingriffe ist seitdem sogar gestiegen. Auch hierzulande ist die Weisheitszahn-OP ein Dauerbrenner, rund eine Million „Achter“ werden pro Jahr aus den Kiefern der Deutschen geholt. Ob immer aus handfestem Grund, ist unbekannt.