Impfung gegen Karies vor dem Durchbruch

Vor allem der verbreiteten Fluoridaufnahme – über die Zahncreme, aber auch über angereichertes Salz oder spezielle Versiegelungen beim Zahnarzt – wird der großflächige Rückgang der Volkskrankheit Karies in den letzten Jahrzehnten zugeschrieben. Zwischen 1997 und 2014 hat sich der Anteil kariesfreier Gebisse bei zwölfjährigen Kindern verdoppelt, auf 81 Prozent. Im selben Zeitraum verringerte sich die Karieserfahrung bei jüngeren Erwachsenen (35 bis 44 Jahre) um 30 Prozent. Diese Erfolge sind erfreulich, doch noch immer leiden Millionen Menschen hierzulande unter der Volkskrankheit. Und in anderen, vor allem ärmeren Ländern stellt Karies eine noch viel gewaltigere Herausforderung dar.

Dementsprechend macht es große Hoffnung, was chinesische Wissenschaftler kürzlich im Fachmagazin „Scientific Reports“ vermeldeten: In Tests an Mäusen und Ratten konnten mit einem Impfstoff deutliche Erfolge bei der Karies-Vorbeugung und -Behandlung erzielt werden. Prophylaktisch betrug der Effekt 64,2 Prozent, therapeutisch 53,9 Prozent.

Ein Darmbakterium als Karieskiller

Der Hebel zur Karies-Bekämpfung besteht darin, das Erregerbakterium Streptococcus mutans mit einem Protein-Cocktail zu blockieren. Dieser setzt sich aus Proteinen des Erregers und des Darmbakteriums Escherichia coli zusammen. Dass er die gewünschte Wirkung erzielt, war bereits seit Längerem bekannt. Leider traten allerdings auch heftige Nebenwirkungen auf. Dieses Problem haben die Chinesen durch Experimente mit der Proteinfusion nun offenbar gelöst. Verabreicht wurde der Impfstoff in den Tests per Nasenspray. Wann und in welcher Form er auf den Markt kommt, ist noch nicht absehbar, da erst noch Studien mit menschlichen Probanden durchgeführt werden müssen.

„Die chinesische Impfstoff-Entwicklung kann einen großen Fortschritt im Kampf gegen Karies bedeuten“, sagt der Zahnarzt Dr. Maik Levold, der in Berlin-Grunewald niedergelassen ist. „Doch sollte man sich nicht voreilig darauf freuen, demnächst die Zahnbürste liegen lassen und stattdessen einfach zu einem Spray greifen zu können: Eine gründliche Mundhygiene bleibt nämlich auch mit Impfung unerlässlich.“