Keine Amalgamfüllungen mehr für Schwangere und Kinder

Seit dem 1. Juli dürfen Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren EU-weit grundsätzlich nicht mehr mit Amalgam zahnärztlich versorgt werden.

Die ewige Kontroverse um mögliche Schädigungen durch Amalgam – genauer: das darin enthaltene Quecksilber – trägt hin und wieder Züge eines Glaubenskrieges. Wer sich per Internetsuche schlaumachen will, stößt auf einen Wust aus seriösen Informationen, Halbwahrheiten und komplett irreführenden Behauptungen. Dass viele Patienten angesichts dieser unübersichtlichen Lage verunsichert sind, überrascht kaum. Dabei sind wissenschaftlich eigentlich keine Fragen mehr offen.

„Es gibt keine Belege für eine Schädigung des Organismus durch aus Zahnfüllungen ausgetretenes Quecksilber, auch wenn dieser Stoff nachweisbar aus dem Mundraum in den Blutkreislauf gelangt“, betont der Zahnarzt Dr. Maik Levold. „Zahlreiche Studien weisen in dieselbe Richtung: Für eine Entfernung von Amalgamfüllungen besteht kein Anlass, sofern nicht eine Amalgam-Allergie vorliegt – was aber sehr selten vorkommt.“ Gleichwohl setzt der in Berlin-Grunewald niedergelassene Dentalmediziner in seiner Praxis lieber auf Keramik oder Komposit als Füllungsmaterial, schon wegen der ästhetischen Vorteile.

EU will Quecksilber eindämmen
Zumindest bei Schwangeren, Stillenden und Kindern unter 15 Jahren gibt es dazu nun auch keine Alternative mehr. Denn zum 1. Juli trat die EU-Quecksilberverordnung in Kraft, die gemäß dem Übereinkommen von Minamata die Freisetzung von Quecksilber(verbindungen) in die Umwelt eindämmen soll. Für besagte Gruppen muss nun prinzipiell ein alternatives Füllungsmaterial gewählt werden; die Krankenkassen erstatten die Kosten von Kunststofffüllungen (Komposit). Nur in begründeten Ausnahmefällen darf ein Zahnarzt noch Amalgam neu einsetzen. Intakte Amalgamfüllungen müssen nicht ausgetauscht werden, die Kosten dafür werden auch zukünftig nicht von den Krankenkassen erstattet.

Die EU-Verordnung ist insoweit von begrenzter Relevanz, als zwei Trends ohnehin schon seit vielen Jahren für einen Rückgang der Amalgamfüllungen sorgen: Zum einen werden immer weniger Füllungen fällig, da die Zahngesundheit sich insgesamt stetig bessert. Zum anderen wünschen die Patienten vermehrt alternative Füllungsmaterialien, auch wenn das für gesetzlich Krankenversicherte mit Zuzahlungen einhergeht.