MIH bei Kindern weiter auf dem Vormarsch

Mittlerweile sind 14 Prozent der Kinder von der rätselhaften Zahnerkrankung MIH betroffen. Für sie ist die Zahngesundheitsvorsorge besonders wichtig.

Viele Eltern geraten an den Rand der Verzweiflung, wenn die ersten bleibenden Backenzähne ihrer Sprösslinge durchbrechen: Trotz sorgfältiger Pflege der strahlend weißen Milchzähne weisen deren Nachfolger gelblich-bräunliche oder cremefarbene Flecken und eine weiche, poröse Konsistenz auf. Zudem reagieren sie empfindlich auf heiße und kalte Reize und auf Berührungen. Verantwortlich dafür ist die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) – Molaren sind die Backenzähne, Inzisiven die Schneidezähne, die allerdings weniger häufig an MIH erkranken.

„Die Ursache für MIH liegt nach wie vor weitgehend im Dunkeln. Im Verdacht stehen eine Reihe von Faktoren, die bis zum vierten Lebensjahr die Zahnentwicklung beeinflussen, und zwar auch schon vor der Geburt: von bestimmten Medikamenten wie Antibiotika über Umweltgifte bis hin zu chronischen Erkrankungen insbesondere der Atemwege“, erklärt der in Berlin-Grunewald praktizierende Zahnarzt Dr. Maik Levold. „Folge ist jedenfalls ein deutlich geringerer Phosphat- und Kalzium-Gehalt der Zähne, als eigentlich erforderlich wäre. Stattdessen findet sich mehr Eiweiß im Zahnschmelz.“

An dieser Mineralisationsstörung sind mittlerweile rund 14 Prozent der Kinder erkrankt, wie Forscher der Universität Greifswald der Analyse von 70 Studien entnahmen. Vor vier Jahren lag die Rate noch bei 10 Prozent, wie bereits an dieser Stelle berichtet. Immerhin: Nur bei circa jedem 20. Betroffenen ist MIH so ausgeprägt, dass es zu Schmerzen und Substanzverlust kommt. Das Gros der MIH-Patienten muss demgemäß vor allem mit dem kosmetischen Makel leben.

Kariesvorsorge sollte besonders großgeschrieben werden
Wenn der Zahnschmelz durch MIH schlecht mineralisiert ist, geht damit eine erhöhte Anfälligkeit für Stoßschäden und für Karies einher. Eine engmaschige Vorsorge – sowohl zu Hause als auch zahnärztlich – ist daher unabdingbar, um keinen Zahnverlust zu riskieren. Erschwert wird diese Aufgabe dadurch, dass sich das Putzen wegen der größeren Schmerzempfindlichkeit der erkrankten Zähne unangenehm gestaltet. Für die Eltern liegt darin keine geringe pädagogische Herausforderung.

Und doch führt an einer gründlichen Vorsorge kein Weg vorbei. Zahnärzte stehen dabei mit Rat und Tat zur Seite.