Karies offenbar nicht genetisch bedingt

Lange wurde vermutet, dass die Gene bei der Kariesentstehung eine wesentliche Rolle spielen. Australische Forscher haben diese These nun mit einer Zwillingsstudie widerlegt.

Karies gehört zu den Erkrankungen, um die kaum ein Mensch im Verlauf seines Lebens herumkommt. Von den 65- bis 74-Jährigen hat lediglich jeder tausendste keine Karieserfahrung. Erfreulich: Die Erkrankungsraten gehen zurück, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Nicht zuletzt ist das ein Verdienst des Fluorids, das seit einigen Jahrzehnten Zahncremes und Speisesalz beigemischt wird.

Schon darin liegt ein Indiz dafür, dass Umweltfaktoren bei der Kariesentstehung die Hauptrolle spielen. Dennoch streiten die Forscher bis heute darüber, ob es nicht die Gene sind, die die Kariesanfälligkeit maßgeblich bestimmen. Schließlich gibt es Menschen, deren Zähnen auch viel Zucker und Säure nichts anhaben zu können scheinen, während andere auf Süßes verzichten, sich dreimal täglich die Zähne putzen und dennoch wieder und wieder kariöse Stellen aufweisen.

Australische Forscher vom Murdoch Children’s Research Institute veröffentlichten kürzlich im Magazin „Pediatrics“ eine Zwillingsstudie, deren Ergebnisse die These von der Dominanz der genetischen Prägung infrage stellt.

Keine bemerkenswerten Unterschiede

173 Schwangere, die eineiige oder zweieiige Zwillinge erwarteten, standen im Fokus der Studie. Untersucht wurden Mütter und Kinder in der 24. und 36. Schwangerschaftswoche, bei der Geburt sowie im Kindesalter von anderthalb und sechs Jahren. Mittels Fragen wurden auch die individuellen Risikofaktoren erhoben, die zur Kariesentstehung beitragen könnten: Krankheiten, Übergewicht, Vitamin-D-Mangel, Rauchen, Alkoholkonsum, Stress und eingenommene Medikamente.

Wie sich zeigte, hatten in etwa gleich vielen Zwillingspaaren beide oder nur einer Karies (29 und 33). Ebenso wenig ließen sich zwischen ein- und zweieiigen Zwillingen bedeutsame Unterschiede feststellen. Damit scheint der genetische Einfluss sehr gering zu sein.

Ferner fanden die Forscher Belege dafür, dass Fettleibigkeit der Mutter das Kariesrisiko der Kinder erhöht. Unklar ist dabei, wodurch der Effekt zustande kommt: ob durch überdurchschnittlichen Zuckerkonsum oder das Gewicht im Allgemeinen.