Kommt der nachwachsende Zahnschmelz?

Besser als jede Füllung wäre es, zerstörte Zahnsubstanz wieder durch natürlich gewachsenes Gewebe zu ersetzen. Chinesische Wissenschaftler haben offenbar einen Weg gefunden, Zahnschmelz zu regenerieren.

Es klingt ein wenig nach Science-Fiction: Wenn Zahnschmelz durch Karies oder eine Fraktur verloren gegangen ist, trägt man einfach ein Gel auf und schon wächst der Zahn wieder zu seiner eigentlichen Größe heran – ohne dass man Abstriche bei der Optik oder der Härte machen müsste. Wie nahe die moderne Zahnmedizin dieser Zukunftsvision schon gekommen ist, illustriert eine aktuelle Meldung aus China.

An der dortigen Zhejiang University School of Medicine haben Wissenschaftler, wie sie im Fachmagazin „Science Advances“ berichten, ein solches Gel entwickelt. Zwar ist es noch weit entfernt davon, Füllungen überflüssig zu machen. Doch das Verfahren funktioniert im Prinzip.

Das Gel bildet die morphologische Struktur des härtesten Gewebes im menschlichen Körper nach und regt dieses zum Wachstum an. Dabei kommt es vor allem auf Kalziumphosphationen-Cluster an, die auch im Zahnschmelz eine wichtige Funktion erfüllen. Wie die Versuche in China gezeigt haben, entsteht auf mit dem Gel behandelten Stellen Hydroxylapatit, der Zahn wächst also gleichsam in die Gelschicht hinein.

2,7 Mikrometer: ein Anfang
Mit der ersten Version ihrer Neuentwicklung konnten die Forscher jeweils eine Zahnschmelzschicht von 2,7 Mikrometern Dicke erzeugen. Das ist noch reichlich wenig, um in der Praxis relevant werden zu können, wie der in Berlin-Grunewald niedergelassene Zahnarzt Dr. Maik Levold erläutert: „Der Zahnschmelz ist bei den meisten Menschen zwei bis zweieinhalb Millimeter dick.“

Daraus folgt, dass mehrere Hundert Anwendungen des Gels nötig wären, um ein „Loch im Zahn“ zu füllen. Bevor es also Einzug in die Zahnarztpraxen halten kann, muss seine Wirkung noch vervielfacht werden. Doch ein vielversprechender Anfang ist mit der Neuentwicklung gemacht, an der derzeit mit Hochdruck weitergearbeitet wird.

Für einige Jahre werden die Patienten noch mit Füllungen vorliebnehmen müssen. Das ist angesichts der modernen zahnmedizinischen Möglichkeiten auch kein Drama: Die heutigen Kunststofffüllungen stehen dem natürlichen Zahnschmelz in puncto Haltbarkeit und Ästhetik kaum nach.