Schwere Parodontitis verdoppelt das Bluthochdruck-Risiko

In mehreren Studien wurde bereits ein Einfluss der Parodontitis auf das Herz-Kreislauf-System nachgewiesen. Eine neue Forschungsarbeit aus England schärft nun das Bild.

Entzündliche Erkrankungen im Mundraum bergen als Keimherd Risiken für die systemische Gesundheit. Vor allem die Volkskrankheit Parodontitis wird immer wieder mit Folgeschäden wie Atembeschwerden, Alzheimer oder sogar Krebs in Verbindung gebracht. Am weitesten erforscht sind die kardiovaskulären Auswirkungen. So wurde bereits belegt, dass Parodontitis das Bluthochdruck-Risiko steigert.

Genaueres zu diesem Forschungsfeld steuern nun englische Wissenschaftler vom UCL Eastman Dental Institute bei. In einer aufwendigen Metastudie nahmen sie 81 Forschungsarbeiten aus 26 Ländern unter die Lupe. Wie sie kürzlich im Fachmagazin „Cardiovascular Research“ vermeldeten, konnten sie dabei folgende Kernergebnisse herausdestillieren:

-    Mittelschwere bis schwere Parodontitis führt zu einem um 22 Prozent erhöhten Bluthochdruck-Risiko.
-    Doppelt so hoch ist das Risiko sogar bei schwerer Parodontitis.
-    Parodontitis erhöht den arteriellen Blutdruck im Durchschnitt um 4,5 (systolisch) bzw. 2 mmHg (diastolisch).
-    Eine Parodontitistherapie scheint den Blutdruck nicht zuverlässig zu senken – lediglich in 5 von 12 Studien, die sich diesem Thema widmeten, wurde ein solcher Effekt festgestellt.

Keine Antwort fanden die Forscher auf eine grundlegende Frage: Fördert eine Parodontitis Bluthochdruck oder ist es umgekehrt? Denkbar wäre auch eine gegenseitige Beeinflussung. Die verantwortlichen Mechanismen liegen noch weitgehend im Dunklen.

„Immer wieder zeigt sich, dass eine Parodontitis weit mehr als ein lästiges Ärgernis ist. Auch wenn die Symptome – etwa Zahnfleischbluten, geschwollenes und/oder gerötetes Zahnfleisch oder Mundgeruch – über lange Zeit vernachlässigbar erscheinen, geht man mit einer unbehandelten Parodontitis hohe Risiken ein“, warnt der in Berlin-Grunewald praktizierende Zahnarzt Dr. Maik Levold. „Folgeerkrankungen können sich ebenso schleichend entwickeln wie die Parodontitis und schließlich die gesamte Gesundheit bedrohen.“ Auch aus diesem Grund sind eine sorgfältige heimische Mundhygiene und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt elementar wichtig.