Wie SSRI-Antidepressiva Zahnimplantate beeinflussen

Wer früher einmal selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingenommen hat, muss mit einem höheren Implantatverlust-Risiko rechnen. Kurios: Wer in der Behandlungszeit welche einnimmt, nicht.

Insbesondere in der Erstversorgung von Depressionskranken leisten selektive Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wertvolle Dienste. Auch zur dauerhaften Therapie werden die vor rund 30 Jahren entwickelten Arzneien häufig eingesetzt. Schätzungsweise 80 Prozent der unter Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen leidenden Patienten, die (gegebenenfalls flankierend) medikamentös behandelt werden, erhalten SSRI.

Die weitverbreiteten Antidepressiva scheinen indes eine bisher unbekannte Nebenwirkung zu haben: Offenbar erhöht ihre Einnahme das spätere Risiko, dass eine zahnimplantologische Behandlung scheitert. So zumindest legen es Studienergebnisse nahe, die an der US-amerikanischen Mayo Clinic in Minnesota erarbeitet wurden.

Die Forscher nahmen Daten zu annähernd 5.500 Patienten unter die Lupe, die mit einem Zahnimplantat versorgt worden waren. Da die Implantationen zwischen 1995 und 2014 stattfanden, sind die Erkenntnisse nur teilweise auf die heutige Implantologie übertragbar – denn die unterscheidet sich in weiten Teilen von der in den 1990er-Jahren. Das zeigt sich bereits in der relativ hohen Quote gescheiterter Behandlungen, die insgesamt bei rund zehn Prozent liegt. Allerdings verleiht der Anteil jüngerer Implantationen der Studie durchaus hinreichende Aktualität.

Verantwortliche Mechanismen noch unklar
Der Kernaussage der Studie lautet: Im Beobachtungszeitraum von durchschnittlich gut fünf Jahren hatten Patienten, die vor der Implantation einmal SSRI eingenommen hatten, ein um rund 60 Prozent höheres Risiko eines Implantatversagens. Kein Unterschied ließ sich hingegen feststellen, wenn die Patienten zur Zeit der Implantation und des Einheilens die Antidepressiva nutzten. Welche Mechanismen dafür verantwortlich sind und warum nur frühere SSRI-Medikationen sich ungünstig auswirken, können sich die Wissenschaftler nicht erklären.

Eine 60-prozentige Risikoerhöhung klingt zunächst einmal beträchtlich. In der Praxis kann es aber bedeuten, dass das statistische Risiko bei einem guten Operateur beispielsweise von 1,5 auf 2,4 Prozent steigt – keine besorgniserregende Zahl. Erfahrene Implantologen wie der in Berlin-Grunewald praktizierende Zahnarzt Dr. Maik Levold verweisen darauf, dass die Implantatpflege wesentlich entscheidender dafür ist, wie lange ein Zahnimplantat seine Funktion erfüllt. Nichtsdestotrotz sollten Patienten grundsätzlich vor einer Implantation erwähnen, ob sie schon einmal potente Medikamente wie SSRI eingenommen haben oder noch einnehmen.