Wie TV-Konsum und Stillen mit Karies zusammenhängen

Aktuelle Studien belegen ein erhöhtes Kariesrisiko bei Kindern, die gar nicht oder zu lange gestillt wurden, und bei Kindern mit ausgiebigem Fernsehkonsum.

Auch wenn die Kariesraten bei Kindern in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland rückläufig waren, bleibt die Volkskrankheit eine stetige Herausforderung für Zahnärzte und Eltern. Daran hat nicht zuletzt die breite Verfügbarkeit zahnschädlicher Nahrungsmittel wie Softdrinks und Süßigkeiten ihren Anteil. Diese korreliert häufig mit den Freiheiten, die den Kindern beim TV-Konsum eingeräumt werden. Und daraus wiederum ergibt sich ein statistischer Zusammenhang zwischen den täglichen Fernsehminuten und dem Auftreten von Karies.

Das haben brasilianische Wissenschaftler der Federal University of Pará kürzlich in einer Studie belegt, über die sie im Fachjournal „Clinical and Experimental Dental Research“ berichten. Sie ließen an zehn Schulen Fragebögen an Zehn- bis Zwölfjährige verteilen und wählten dann 545 von diesen für zahnmedizinische Untersuchungen aus. Aus den Antworten und Befunden ergibt sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen TV-Konsum, Verzehr zuckerhaltiger Nahrungsmittel und Karies. So nehmen Kinder, die mehr als anderthalb Stunden täglich fernsehen, mit einer um ein Drittel erhöhten Wahrscheinlichkeit auch kariesfördernde Lebensmittel zu sich; ihr Kariesrisiko ist um 39 Prozent erhöht. Mehr als jedes zweite Kind aus dieser Gruppe weist bereits Karies auf.

Zu langes Stillen kann Karies begünstigen
Dass der Verzehr von Süßigkeiten das Kariesrisiko ansteigen lässt, ist allgemein bekannt. Weniger ins öffentliche Bewusstsein hat es die Tatsache geschafft, dass auch das Stillen bereits Einfluss auf das spätere Kariesvorkommen hat. Australische Wissenschaftler der Adelaide University stellten kürzlich eine Studie dazu im Fachmagazin „Journal of Dental Research“ vor.

Für ihre Analysen griffen sie auf Datenmaterial zurück, das 2012 bis 2014 für eine nationale Gesundheitsstudie erhoben worden war. Für rund 4.500 Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren lagen Zahnuntersuchungsergebnisse vor. Zudem war via Fragebögen erhoben worden, ob und, wenn ja, wie lange die Kinder gestillt worden waren. Die Auswertung zeigte ein signifikant erhöhtes Kariesrisiko bei Kindern, die weniger als einen Monat lang oder gar nicht gestillt wurden. Ebenfalls erhöht war es bei Kindern, die länger als zwei Jahre mit Muttermilch ernährt wurden. Wer also die Zähne seiner Kinder bestmöglich gegen Karies wappnen will, sollte sie zwischen einem und 24 Monate lang stillen.

Der Effekt der Ernährung dürfte dagegen allerdings wesentlich größer sein. „Auch wenn es angesichts der heutzutage allgegenwärtigen Versuchungen nicht leichtfällt, sollte man Kinder weitgehend von zucker- und säurehaltigen Lebensmitteln fernhalten – das ist die beste Kariesprävention“, betont denn auch der in Berlin-Grunewald praktizierende Zahnarzt Dr. Maik Levold.