Zu viel Fluorid kann dem Zahnschmelz schaden

Fluorid wappnet die Zähne gegen Karies, wie vielfach belegt wurde. Eine neue Studie offenbart jedoch die Risiken einer Überdosierung.

Dass die Dosis das Gift macht, ist eine Binsenweisheit. Auch für die Versorgung der Zähne mit Fluorid scheint sie gültig zu sein. In Maßen stärkt Fluorid die Abwehrkräfte der Zähne gegen Karies, das haben zahlreiche Studien zweifelsfrei belegt. Dass eine Überdosierung aber Schädigungen – nicht nur der Zähne – zur Folge haben kann, unterliegt ebenfalls keinem Zweifel.

So kamen beispielweise kanadische und US-Forscher im letzten Jahr in zwei Studien zu dem Schluss, dass eine hohe Fluoridaufnahme während der Schwangerschaft den IQ der Heranwachsenden negativ beeinflussen und dass zu viel Fluorid die Nieren- und Leberfunktion bei Jugendlichen beeinträchtigen kann. Für Deutschland hatte das jedoch nur geringe Relevanz, da die aufgenommene Fluoridmenge (wegen fluoridierten Trinkwassers) weit über der lag, die hierzulande üblich ist.

Auch der Zahnschmelz kann unter einer Fluorid-Überdosierung leiden. Wie das auf molekularer Ebene vonstattengeht, haben Forscher des New York University College of Dentistry kürzlich untersucht.

Gestörter Kalziumhaushalt
Im Fachblatt „Science Signaling“ berichten die Wissenschaftler, dass zu viel Fluorid den Kalziumhaushalt schmelzbildender Zellen, sogenannter Ameloblasten, durcheinanderbringt. In ihnen wird dadurch weniger Kalzium eingelagert. Daneben funktionieren auch die Mitochondrien, die den Zellen gewissermaßen den „Strom liefern“, nicht wie gewohnt. Durch die gestörte Kalziumverarbeitung kommt es zu einer fehlerhaften Mineralisierung des Zahnschmelzes, die sich äußerlich in unschönen Verfärbungen und weißen Punkten oder Linien zeigt – ein bei Kindern häufig zu beobachtendes Phänomen.

Sollte man den Nachwuchs nun lieber von Fluorid fernhalten und damit ein höheres Kariesrisiko in Kauf nehmen? Das wäre übers Ziel hinausgeschossen. Die durchschnittlich in Deutschland aufgenommene Fluoridmenge liegt im unbedenklichen Bereich. Es gilt jedoch, im Blick zu behalten, welche Quellen (Salz, Zahnpasta …) Fluorid liefern und wie viel davon konsumiert wird. Im Zweifel hilft der Zahnarzt weiter.